Avenir Suisse sieht neue Kernkraft bei Kosten auf Augenhöhe mit Solarstrom
Strom aus einem neuen Kernkraftwerk kann laut eines neuen Berichts von Avenir Suisse bei Berücksichtigung des Produktionszeitpunkts und zusätzlicher Netzkosten mit Solarstrom mithalten. Für Investitionen fordert der Think-Tank verlässlichere politische Rahmenbedingungen, lehnt neue Subventionen und Staatsgarantien jedoch ab.

Avenir Suisse rechnet in seinem Bericht «Was Energie aus Kernkraft kostet – und welche Rolle der Staat dabei spielt», für ein neues Kernkraftwerk in der Grössenordnung von Gösgen mit Kosten von CHF 10 bis 15 Mrd. Voraussetzung sei, dass Erfahrungen aus jüngsten Projekten in Europa und den USA genutzt werden und ein erprobter, fertig geplanter Reaktortyp zum Einsatz kommt. Im Grundszenario ergeben sich Stromgestehungskosten von rund CHF 172 pro Megawattstunde (MWh), entsprechend 17,2 Rappen pro Kilowattstunde.
Für den Vergleich mit Solarstrom berücksichtigt die Analyse neben den Produktionskosten auch den Zeitpunkt der Erzeugung und zusätzliche Kosten für den Netzausbau. Solarstrom werde häufig dann erzeugt, wenn das Angebot bereits gross und der Börsenpreis tief sei. Nach diesen Anpassungen beziffert Avenir Suisse die Kosten grösserer Solaranlagen auf rund CHF 160 pro MWh und jene kleiner Dachanlagen auf rund CHF 280 pro MWh.
Damit liege Strom aus grösseren Solaranlagen etwa gleichauf mit neuer Kernenergie. Avenir Suisse weist zugleich darauf hin, dass die Kosten eines neuen Kernkraftwerks über dem durchschnittlichen Börsenstrompreis der vergangenen Jahre liegen. Die Vergleichbarkeit mit Solarstrom allein belegt somit noch keine Wettbewerbsfähigkeit am Strommarkt.
Entscheidend seien die Finanzierungsbedingungen. Ein späterer politischer Ausstiegsentscheid könne die Investition entwerten und erhöhe deshalb die von Investoren verlangten Risikoaufschläge. Sinken die Finanzierungskosten von 8 auf 5%, reduzieren sich laut Analyse die Stromgestehungskosten um einen Drittel.
Avenir Suisse fordert planbarere Bewilligungsverfahren und eine klar geregelte Entschädigung, falls die Politik ein Kraftwerk nachträglich stoppt. Risiken aus Bauverzögerungen, Kostenüberschreitungen oder tiefen Strompreisen sollen hingegen bei den Investoren bleiben. Kreditgarantien, neue Subventionen und garantierte Strompreise lehnt der Think-Tank ab.
Für alle Stromquellen solle derselbe Massstab gelten. Avenir Suisse plädiert für den Abbau ineffizienter Subventionen. Sollte der Markt zu wenig gesicherte Leistung im Winter bereitstellen, sei diese gezielt und technologieunabhängig zu vergüten.
Quelle
S.D. nach Avenir Suisse, Medienmitteilung vom 27. Oktober 2026