Generalversammlung des Nuklearforums im Zeichen der politischen Debatte
An der jährlichen Generalversammlung des Nuklearforums Schweiz referierte BFE-Direktor Benoit Revaz zur aktuellen Schweizer Energiepolitik. Der Verein beschloss die Gründung der neuen Sektion Nuklearmedizin und passte den Status der Women in Nuclear an. Thomas Zurflüh von ABB wurde in den Vorstand gewählt.

Nuklearforum-Präsident Hans-Ulrich Bigler betonte an der 22. ordentlichen Generalversammlung des Nuklearforums Schweiz im Zentrum Paul Klee in Bern die Rückkehr der Kernenergie ins Zentrum der Schweizer Energiepolitik. Angesichts von wachsendem Strombedarf, Klimazielen und Versorgungssicherheit brauche die Schweiz eine technologieoffene Energiepolitik und dürfe keine klimafreundliche Option aus ideologischen Gründen ausschliessen. Das Nuklearforum begleite die politische Debatte rund um die Aufhebung des Neubauverbots aktiv mit Fachwissen, Positionspapieren und politischem Dialog und werde in Bundesbern als kompetente Stimme wahrgenommen.
Bigler rief dazu auf, die kommende Abstimmung selbstbewusst, sachlich und lösungsorientiert zu führen. Kernenergie müsse verständlich erklärt und ihr Nutzen für Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Innovation und den Forschungsstandort Schweiz positiv vermittelt werden. Gleichzeitig hob er hervor, dass das Nuklearforum wachse und nukleare Technologien weit über die Stromproduktion hinaus Bedeutung hätten – etwa in Medizin, Forschung und Industrie.
Neue Sektionen und Vorstandmitglieder
Im anschliessenden statuarischen Teil der Generalversammlung beschloss das Nuklearforum die Gründung der neuen Sektion Nuklearmedizin und die Umwandlung der Women in Nuclear Schweiz in eine eigenständige Sektion. Mit der Schweizerischen Gesellschaft der Kernfachleute hat das Nuklearforum damit drei Sektionen.
Bigler verabschiedete Frank R. Ruepp aus dem Vorstand des Nuklearforums, der die Interessengemeinschaft der energieintensiven Branchen der Schweiz vertreten hatte. Als Nachfolger von Elmar Artho von ABB wählte die Generalversammlung Thomas Zurflüh in den Vorstand. Er ist bei ABB als General Manager Europe im Bereich Process Automation tätig und Mitglied des Management Committees von ABB Schweiz.
«Die Welt hat sich seit 2017 verändert»
BFE-Direktor Benoît Revaz betonte in seiner Ansprache die wachsenden Herausforderungen für die Stromversorgungssicherheit in Europa und der Schweiz. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, steigenden Strombedarfs durch Elektrifizierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sowie eines langsamer als erwarteten Ausbaus der erneuerbaren Energien habe der Bundesrat zahlreiche Massnahmen zur Absicherung der Stromversorgung eingeleitet. Dazu gehören der Aufbau von Stromreserven, der beschleunigte Ausbau von erneuerbaren Energien und Stromnetzen sowie das geplante Stromabkommen mit der EU. Gleichzeitig unterstrich Revaz die Bedeutung der bestehenden Kernkraftwerke für die Versorgungssicherheit. Diese könnten so lange betrieben werden, wie ihre Sicherheit gewährleistet sei, und ein langfristiger Betrieb der Anlagen erscheine technisch und wirtschaftlich möglich.
Mit Blick auf die Energiepolitik verwies Revaz auf den indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates zur Blackout-Initiative, der das Neubauverbot für Kernkraftwerke aufheben soll. Damit wolle der Bundesrat die Technologieoffenheit sichern und die Möglichkeit offenhalten, langfristig neue Kernkraftwerke zu planen, falls der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht ausreiche. Gleichzeitig betonte Revaz, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien kurz- und mittelfristig weiterhin Priorität habe. Kernenergie und erneuerbare Energien stünden nicht im Widerspruch, sondern könnten gemeinsam zu einer sicheren und klimafreundlichen Stromversorgung beitragen.





Quelle
M.R.