Grüne Partei in England und Wales gibt grundsätzliche Ablehnung der Kernenergie auf
Die Green Party of England and Wales hat ihre jahrzehntelange grundsätzliche Ablehnung der Kernenergie aufgegeben. Auf ihrem Parteitag in Brighton beschlossen die Mitglieder, die Forderung nach einem Atomausstieg aus dem Parteiprogramm zu streichen und Kernenergie künftig als CO₂-arme Form der Stromerzeugung anzuerkennen.

Damit vollzieht die Partei einen energiepolitischen Kurswechsel, auch wenn sie den Ausbau der erneuerbaren Energien weiterhin klar priorisiert. Konkret wurde die bisherige Formulierung, wonach Kernenergie zusammen mit Kohle und der Verbrennung von Abfällen schrittweise beendet werden solle, aus dem Parteiprogramm entfernt. Stattdessen unterscheidet die neue Energiepolitik zwischen fossilen Energieträgern, die schrittweise ersetzt werden sollen, und CO₂-armen Stromerzeugungsformen. Neben Wind- und Solarenergie werden nun auch Wasserkraft, Geothermie, Gezeitenenergie, Wellenenergie und Kernenergie als CO₂-arme Technologien aufgeführt.
Die energiepolitische Sprecherin der Partei, Carla Denyer, betonte, dass erneuerbare Energien weiterhin im Mittelpunkt der britischen Stromversorgung stehen sollen. Gleichzeitig erkenne die Partei an, dass Kernenergie einen Beitrag zu einer CO₂-armen Stromversorgung leisten könne. Über deren Bau soll weiterhin im Einzelfall unter Berücksichtigung von Kosten, Bauzeit, Versorgungssicherheit und Umweltauswirkungen entschieden werden. Der Weiterbetrieb bestehender Anlagen wird hingegen als klimafreundliche Option anerkannt, da ein grosser Teil der CO₂-Emissionen eines Kernkraftwerks bereits beim Bau entsteht.
Der Parteitagsbeschluss macht die neue Position zur offiziellen Politik der Green Party of England and Wales. Ob sie unverändert in das Wahlprogramm für die nächste britische Parlamentswahl übernommen wird, ist allerdings noch offen.
Quelle
S.D., nach World Nuclear News, 5. Oktober 2026