Italien beschliesst nach 40 Jahren die Rückkehr zur Kernenergie

Der italienische Senat hat endgültig eine Gesetzesvorlage verabschiedet, die den Weg für eine Rückkehr zur Kernenergie ebnet – fast vier Jahrzehnte, nachdem Italien seine Kernkraftwerke infolge des Reaktorunfalls von Tschernobyl schrittweise stillgelegt hatte.

28. Sep. 2026
Italienische Flagge vor dem Vittoriano in Rom.
Nach der Abgeordnetenkammer hat nun auch der Senat die gesetzliche Grundlage für die Rückkehr Italiens zur Kernenergie geschaffen.
Quelle: MLbay via Pixabay

Italien schafft mit einer Gesetzesvorlage die rechtlichen Grundlagen für Kerntechnologien der nächsten Generation. Bereits am 4. Juni 2026 war die Vorlage von der Abgeordnetenkammer angenommen worden. Nun wurde sie am 23. September als Senatsvorlage Nr. 1924 auch vom Senat mit 81 zu 51 Stimmen bei sieben Enthaltungen angenommen. Sie ermächtigt die Regierung, innerhalb der nächsten zwölf Monate Ausführungsbestimmungen zu erlassen, die unter anderem die Genehmigung von Reaktoren, Sicherheitsstandards, den Umgang mit radioaktiven Abfällen und Kriterien für künftige Standorte regeln. Bei der Rückkehr zur Kernenergie konzentriert sich die italienische Regierung auf kleine, modulare Reaktoren (SMRs) und andere fortgeschrittene Technologien, die nach Ansicht ihrer Befürworter sicherer, schneller zu bauen und flexibler sind als grosse Anlagen.

Die angenommene Gesetzesvorlage ist ein bedeutender Schritt in den Bemühungen von Premierministerin Giorgia Meloni, die Energiesicherheit Italiens zu stärken, die Energiepreise zu stabilisieren und die Klimaziele zu erreichen. Italien betrieb bereits Kernkraftwerke, stieg aber im Nachgang zum Reaktorunfall von Tschernobyl aus der kommerziellen Kernenergie zur Stromerzeugung aus. Der russische Angriff auf die Ukraine, Sorgen um die Energiesicherheit und der steigende Strombedarf führten dann aber zu einem grundlegenden politischen Umdenken.

Gilberto Pichetto Fratin, Minister für Umwelt und Energiesicherheit, bezeichnete die Abstimmung als historischen Schritt für Italien. «Die Kernenergie ist keine Rückkehr in die Vergangenheit», sagte er. «In Verbindung mit den erneuerbaren Energien ist sie eine erfolgreiche Technologie, die ausserordentliche Ergebnisse für unsere Energiesicherheit liefern kann.» Mit Blick auf die Inbetriebnahme erster Reaktoren der nächsten Generation schätze er die Jahre 2033, 2034 und 2035 als möglichen Zeithorizont ein.

Quelle

B.G. nach NucNet, 24. September 2026

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